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Mittwoch, 31. Mai 2017

Strukturen des Missbrauchs am Beispiel der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal

Gefunden bei und vollständig übernommen von Lotosritter auf Lotoskraft:

„Das bedauern wir sehr. Und ich weiß, dass damals auch die Mitarbeiter, trotz alledem, mit viel Herzblut und Engagement ihre Arbeit getan haben. Dass diese Dinge in Einzelfällen passiert sind, das tut uns leid und deswegen noch einmal, sind wir sehr erleichtert, dass wir jetzt nach einem langen Weg in der Vorbereitung hin zu einem Aufklärungsprozess jetzt unterwegs sind, damit durch diese Aufarbeitung auch den ehemaligen Heimkindern Anerkennung ihres Leids widerfährt. Das sind wir ihnen schuldig.“
Das Zitat stammt vom Vorsteher der Evangelischen Brüdergemeinde, Klaus Andersen. Er äußerte sich dahingehend in einem Interview mit dem SWR-Fernsehmagazin „Report Mainz“ zu den Vorwürfen sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt in seinen Einrichtungen und bedient damit das System, dem er entstammt. Es ist das klandestine System des Wegschauens, der Kumpanei, der Bemäntelung und des Weg- und Schönredens. Hinzukommt noch eine Ideologie, hier Religion, die die Gemeinschaft höher schätzt als jene, die von ihr betreut werden. Denn wer der Gemeinschaft der Evangelischen Brüdergemeinde angehört ist nach deren Verständnis bereits ein Gerechtfertigter und somit Gott wohlgefälliger als das zu betreuende Waisenkind, das ob seiner prekären Situation eher den Teufel als den Heiland im Leib hat; was heißt der Christus muss ihm eingebleut oder besser noch eingeprügelt werden, und da ein solches Kind ohnehin nur ein böses Objekt ist, kann man sich an ihm auch seelenruhig sexuell vergehen, vielleicht treibt man ihm damit gar die Sexualität gleich mit aus, wo doch dieser ganze Sexkram ohnehin nur ärgstes Teufelszeugs ist.
In diesem menschenverachtenden klerikalen, diesmal evangelisch puren Mief wurzelt auch die Erklärung des Vorstehers der eigenständigen christlichen Gemeinde. Sie hört sich darum auch an, wie eine Stellungnahme unserer Politiker nach einem Terroranschlag, und ist deshalb für mich nur 3B, Betroffenheits-Bullshit-Bingo. Da wird bedauert, was unentschuldbar ist, als wäre der Missbrauch eine Heimsuchung für das Kinderheim und seine Erzieher gewesen. Da werden systematischer Missbrauch und Misshandlung zu Einzelfällen diminuiert; und mit besagtem „vielen Herzblut und Engagement“ kann man auch die Hölle organisieren.

Freitag, 5. Mai 2017

Strukturen des Missbrauchs am Beispiel rot-grüner „Prüderie“

Lotosritter hat mal wieder einen seiner Insiderartikel aus Sicht eines direkt durch Mißbrauch Betroffenen geschrieben.
Immer hochinteressant und manchmal regelrecht verblüffend.

Personen, die in ihrer Kindheit und Jugend über längere Zeit sexualisierter Gewalt sowie physischer und psychischer Misshandlung ausgesetzt waren, sind schwer traumatisiert und zeigen damit einhergehend häufig ebenso schwere Persönlichkeitsstörungen.
Viele Opfer dieser für normale Menschen schier unvorstellbaren erlittenen Gewalt haben einen Hang, Ereignisse ihrer Schändung in übertragener Form nachzuinszenieren, um sich hierdurch nachträglich die Mächtigkeit zu phantasieren, sie hätten das monströse Geschehen lenken und beeinflussen können. Es ist die Illusion, wieder Herr über seine Seele und Körper zu sein, die dieserart „Bewältigungsstrategien“ begünstigt. Doch im Grunde setzen die Opfer nur ihre erlittene Qual in anderer, nämlich kultivierter und ritualisierter Form fort, indem sie ihre Seele und ihren Körper selbst verletzen oder sich entwürdigenden Verletzungen aussetzen. Die Form dieser Beschädigungen ist vielfältig, sie reichen von Ritzen, über inszenierte Vergewaltigungen bis hin zu unterwürfigem, ja sklavischem Verhalten.
Es sind dabei zwanghafte Muster, denen das Opfer folgt und durch die es Leid, Schmerz, Scham, Schuld und Reue erneut durchlebt. Der Unterschied ist nur, dass das Opfer sich illusioniert, diese Entwürdigung selbstbestimmt und somit kontrolliert zu erleiden. Dabei setzt es in Wahrheit nur die Impulse der Schändung und Misshandlung seiner Kindheit in obsessiver Weise fort. Diese Zwangshandlungen können sowohl reflektiert als auch unreflektiert ablaufen; wobei beides keinen Unterschied macht, denn die negativen Gefühle, die diese Nachinszenierungen auslösen, sind im Grunde nichts weiter als die Fortsetzung der in Kindheit und Jugend erlittenen Schmach. Ja, sie sind hilflose, weil stumme Aufschreie und dazu meist unsichtbare Auflehnung. Es sind die späten Schmerzreflexe des einst verletzten und vergewaltigten Kindes, dessen Seele durch die Schandtaten erdrosselt wurde.
Dieser Tage geschahen zwei Ereignisse, die mich empörten und mir zeigten, wie gesellschaftliche Strukturen des Missbrauchs auch in anderer und ganz eigener Weise wirken, um Muster des Kindesmissbrauchs zu erhalten oder zu festigen. Eines dieser Muster ist ein spezielles Tätermuster. Sein Sinn und Zweck ist es, Opfer mundtot zu machen und dauerhaft zum Schweigen zu bringen. Das beginnt schon beim sexuell missbrauchten Kind, dem gedroht wird, dass, sofern es es wagt, etwas zu sagen, nicht nur der Familie, sondern vor allem sich selbst schadet und an den Pranger stellen wird.
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